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Wie alt fühlt man sich denn nun eigentlich?

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„Oh Gott, du wirst dieses Jahr schon 30!“ Platzt es aus mir heraus, als ich neben meinem Liebsten auf der Couch sitze und mir es wie Schuppen von den Augen fällt, dass ich einen alten Mann geheiratet habe.
Spaß beseite, mein Mann ist ganz ganz toll und überhaupt nicht alt, zumal ich nur zwei Monate jünger bin.
Doch die Sache mit dem Älter-werden beschäftigt mich in der letzten Zeit wegen diverser Ereignisse in der Tat ein wenig. Oder ist es schlicht und einfach die Sache mit dem erwachsen sein? Meistens geht das eine ja mit dem anderen einher. Je älter man wird, umso mehr Erfahrungen sammelt man. Man begeht Fehler, lernt aus diesen oder macht sie noch einmal. Verschiedene Menschen begegnen einem auf dem Weg, einige bleiben, andere gehen und wieder andere kommen zurück. Mit jeder Etappe, bei jeder Begegnung lernt man dazu und wird so ganz automatisch reflektierter und irgendwie erwachsener.

Gefühlt bin ich das Frollein, das ich schon immer war. Ich will jetzt damit nicht sagen, dass ich über die geistige Verfassung einer 15-jährigen verfüge, aber man selbst ist und bleibt ja die gleiche Person, oder? Ich bin heute über alte Fotos von mir gestolpert und war fasziniert wie sehr ich mich äußerlich verändert habe und kann im selben Moment nicht fassen, wie die Jahre nur so schnell verstreichen konnten. Situationen und erlebte Geschichten von vor 15 Jahren sind teilweise noch so bildhaft und präsent in meiner Erinnerung, als wären sie gerade erst passiert.

Ich denke zum Beispiel an mein Konfirmandenausflugswochenende, bei dem meine liebste Freundin Annemarie zusammen mit den anderen Konfirmanden eine „Überraschungsparty“ zu Ehren meines 14ten Geburtstages am Strand bei Ribnitz-Damgarten geplant hat. Ganz so überraschend war das Happening nicht, denn ich musste vorher gebrieft werden, wie wir uns nachts (kurz vor Mitternacht) heimlich aus der Herberge schleichen können. Eine ziemlich unchristliche Tat also (ich hoffe an dieser Stelle, dass Annemaries Eltern nicht mitlesen ;-)). Ich hatte bei dieser Aktion allerdings mehr Angst vor der Rache unserer Aufsicht namens Frau Finger, als von der Jesu Christi. Die Holzdielen im Flur knarrten furchtbar und das Klettern aus dem Fenster (im Erdgeschoss…) erschien mir unmöglich – das konnte nicht gut gehen und die Strafe von Frau Finger würde bitterbös ausfallen! Also entschied ich mich dazu die anderen meinen Geburtstag nachts am Strand feiern zu lassen und blieb selbst im sicheren Herbergszimmer. Wie die Sprüche der anderen Konfirmanden am nächsten Morgen mir gegenüber ausfielen, könnt ihr euch ja denken.
Und soll ich euch was verraten? Heute, kurz vor meinem 29ten Geburtstag, würde ich genau so handeln :-). Ich bin eine alte Schissbuxe und weiss ganz genau, dass ich vor diesem „heimlich-Haurrausschleichen“ wahnsinnige Panik bekommen würde. Auch wenn ich mich auf unseren Reisen schon viel getraut habe und deutlich an meine Grenzen ging (auch hierbei spielte meine waghalsige Annemarie eine Rolle…), so war und bin ich schon immer einfach Julia.

Diverse Charakterzüge bleiben, aber es hat sich so viel verändert in der Zwischenzeit. Viele Menschen aus wilden Partyzeiten sind verheiratet und haben Kinder. Ich selbst bin auch frisch verheiratet, trage die Kinder von Freunden durch die Gegend, habe ab dem 1. Februar meinen Traumjob an einer Traumschule und man beschäftigt sich auf einmal mit Finanzierungsmodellen für das Eigenheim. Das klingt alles so fruchtbar erwachsen und das ist es wohl auch. Aber das alles scheint man „mit um die 30″ so zu tun, oder?

Meinen Mann übrigens kratzt die große 3 mit der großen Null überhaupt nicht und er schaute mich bei meinem panischen Ausspruch über sein Alter eher gelangweilt an. Ob diese Schallmauer des Alterns mich nun wirklich so tangiert, da bin ich mir noch nicht so sicher.
Ich habe mit 21 Jahren mal bei einem 30ten Geburtstag gekellnert und mir kamen die Partygäste inkl. Gastgeber damals schon ziemlich alt vor. Nun ist es bei uns auch fast soweit und ich finde, dass Leben wird eigentlich immer spannender! Natürlich gab es in jüngeren Jahren auch wahnsinnig tolle Erlebnisse, aber ich möchte nicht noch einmal 18 sein. Allein wenn ich daran denke, dass wir letztes Jahr sechs Monate auf Bali gelebt haben, ich nun nach langem Lehramtsstudium inkl. Referendariat tatsächlich ein Frollein Studienrätin bin, ist unglaublich und macht mich ziemlich stolz auf das Geschaffte und Erlebte.
Ein Spruch besagt ja, dass man nur so alt ist wie man sich fühlt. Als junger Mensch habe ich diese Weisheit immer ein wenig belächelt, aber da ist tatsächlich was dran. Auch wenn man sich in der Nestbauphase befindet und deutlich mehr Verantwortlichkeiten mit sich trägt, so werde ich mir wohl weiterhin die Fußnägel in verschiedenen Farben lackieren und mich über bunte Streusel auf meinem Eis freuen.

Ich werde jetzt erstmal 29, genieße ein letztes mal die „2“ und dann sehen wir im nächsten Jahr einfach mal weiter :-)!

Frollein Julia is a young lady from Hamburg, Germany. Her profession is being a teacher, but despite this she is a fashion-, beauty- and travel-LOVER!

18 Comments

  1. Sabrina

    2015/01/28 at 19:24

    Liebste Julia,
    du sprichst mir aus der Seele…
    Auch ich werde dieses Jahr „schon“ 29 und beschäftige mich zur Zeit genau mit diesen Gedanken.
    Ich versteh Dich total! Aber man ist so alt wie man sich fühlt und in diesem Sinne – let’s rock und alles Liebe! :-)

    • Julia

      2015/01/28 at 19:40

      Let’s rock ist wirklich ein passender Aufruf 😀
      Dir auch alles Gute!

    • Marajka

      2015/01/28 at 19:40

      Dir auch! Viel Erfolg an deinem 1. Tag in der neuen Schule!

  2. Marajka

    2015/01/28 at 19:32

    Schöner Text Julia! Ich werde dieses Jahr 35 und habe meinen 29. „damals“ als letzten Kindergeburtstag gefeiert. Da ich auch seit 2 Jahren eine verheiratete Lehrrin bin, kann ich dir nur sagen, dass man in unserem Job immer ein wenig infantil bleibt, das bringt er einfach so mit sich 😉 Ich habe mit Mitte 30 noch tolle neue und aufregende Sachen erlebt und gelernt und musste mir im Oktober nach einem Sturz beim Longboarden anhören:,, Eigentlich bist du zu alt dafür“. Sogar der Arzt schaute mich stirnrunzeldn an 😉 Mein Kommentar: ,, Wann denn sonst?“Lieber in dem ALter vom Board fallen als die Treppe runter 😉

    • Julia

      2015/01/28 at 19:42

      Oh was für eine geniale Idee, den 29. als Kindergeburtstag zu feiern!!!! Ich hoffe, ihr habe Fotos gemacht 😉
      Haha ja, das habe ich mir auch schon überlegt, dass man als Lehrerin durch die Schülerschaft auch immer ein bisschen jung gehalten wird.

      Die Story mit dem Longboard ist auch echt lustig (also der Spruch dazu, nicht der Unfall an sich)). Aber genau so siehts aus!

      • Marajka

        2015/01/28 at 20:40

        Ich hatte ein Garfield-Shirt an, in Erinnerung an meine Kindheit^^.

  3. Emilie

    2015/01/28 at 22:21

    Ich werde nächste Woche 27, bin also auch bei den End-Zwanzigern angekommen… Ich muss zugeben, dass das schon an mir nagt. Vor allem weil ich noch sehr jung aussehe (was grundsätzlich natürlich super ist ;)) und jedes Mal, wenn ich mein Alter preisgebe, mein Gegenüber – ja ein wenig – enttäuscht & überrascht ist, fast ungläubig. Und das enttäuscht dann irgendwie mich auch, denn ich ertappe mich bei dem Gedanke „Ja, du bist wirklich alt“. Obwohl das ja eigentlich nicht stimmt. Ich hoffe man versteht mein Dilemma 😀
    Ich möchte aber auch keine 19 mehr sein, lieber knackige 23/24 – mit dem ersten Job, dadurch auf eigenen Beinen stehen und mit einer gewissen Freiheit.
    Hab einen guten Start an deiner neuen Schule!
    Viele Grüße aus Köln,
    Emilie

    • Julia

      2015/01/29 at 12:14

      Ich finde auch, dass der Job und „auf den eigenen Beinen zu stehen“ überaus toll ist und einem super Möglichkeiten und Entscheidungsfreiheiten bietet, die man als Teenie noch nicht hatte.
      Und genieß die Zeit, in der dich alle jünger schätzen 😀

  4. Jana Buck

    2015/01/29 at 09:12

    Du sprichst mir aus dem Herzen – ein toller Artikel :-)

  5. Eva Marie

    2015/01/29 at 11:55

    Liebe Julia,
    sehr schöne Gedanken und ein wahnsinnig ehrlicher Text! Dieser Jugendwahn macht uns Mädels wohl alle irre. Das ist sehr schade, denn seit meinem 30. Geburtstag kann ich nur sagen: das Leben wird mit jedem Tag und jedem Jahr besser. Mehr Erfahrung, weniger Drama. Dafür die Kunst, Dinge wirklich genießen zu können. Und wer sagt, dass wir dann „nichts mehr dürfen“? Wir bestimmen selbst, was okay ist.
    Auf keinen Fall würde ich noch einmal zurücktauschen wollen. 😉
    Also: keine Angst. <3

    Liebsten Gruß von der Eva Marie

  6. Cindy Rethorn

    2015/01/29 at 13:30

    Liebe Julia,

    ich kann mich da Eva Maria nur anschließen. Seit meinem 30. genieße ich mein Leben mehr denn je zuvor. Ich möchte auch nicht wieder Anfang 20 sein. Es reicht mir, dass ich mich in meinem Körper wie mitte 20 fühle. Solange man sich seine Jugendlichkeit erhält, sei es durch Mode oder dergleichen, wird man auch nicht alt. ALT wird man nur im Kopf.

  7. Franny

    2015/01/29 at 14:01

    Hallo Julia

    Ich glaub, Du hast im ersten Satz einen Wortdreher drin, sollte es nicht eher heißen „Oh Gott, Du wirst dieses Jahr schon 30″ und btw, so schlimm ist das nicht. Man ist nur so jung, wie man sich fühlt 😉 Standard-Spruch, ich weiß, aber es ist auch was dran! Oh Gott, ich werde dieses Jahr 36 und fühle mich nicht mal ansatzweise so.

    Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich mich bei den geraden Jahreszahlen wesentlich wohler fühle, als bei den Ungeraden oO 30 war toll, 32, 34 & 36 wird bestimmt auch toll. Aber an 31,33,35 hatte ich zu knabbern. Schon komisch irgendwie :-)

    • Julia

      2015/01/29 at 15:19

      haha erwischt :) habs gerade korrigiert, danke für den Hinweis!

  8. Katharina

    2015/02/09 at 19:40

    Liebe Julia,
    auch mir geht es gerade genauso. In zwei Wochen werde ich 29 und auch wenn ich es vor einigen Jahren gar nicht abwarten konnte älter zu werden, habe ich nun einen Kloß im Hals bei dem Gedanken bald 30 zu werden. Bei mir liegt es aber wohl eher an den eigenen Umständen die gerade so herrschen. Ja, ich habe ansich auch schon viel erreicht und bin froh das zu haben, was ich habe. Aber vor einigen Jahren waren noch Hochzeit und Kinder im Kopf und dies hat sich von heut auf morgen geändert. Tja und nun… nun fängt man wieder von vorne an. Aber wie Du schon richtig sagst, man ist so alt wie man sich fühlt und scheinbar hat alles seine richtigen Zeitpunkt…. good things take time oder wie heißt es so schön. 😉
    Ich hoffe, Du hattest einen tollen Geburtstag und wurdest ordentlich gefeiert. Liebste Grüße :-)

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